Koste es, was es wolle?

Vor kurzem wurden wir vom Qualitätsmanagement eines großen Kunden kontaktiert, der unser Laborinformationssystem (LIMS) "uniLIME" seit Jahren einsetzt. Die Frage war, warum der Import der Messdaten von Analysengeräten über Dateien anstatt einer direkten Verbindung stattfindet, wo doch hier Manipulationsmöglichkeiten seitens der Anwender bestehen.

Nun, die Antwort ist einfach, wenn sie auch für den Fragesteller auf den ersten Blick etwas unerwartet war: es geht einfach ums Geld.

Gerade im Bereich Umwelt- und Lebensmittelanalytik (in dem der Kunde tätig ist) gibt es viele Anbieter von Labordienstleistungen, die Konkurrenz und der Preisdruck sind groß, die Spannen dementsprechend eher bescheiden. Und die Einrichtung des Messwerte-Imports von einem Analysengerät (sagen wir einer GC/MS oder ICP) über die so gut wie immer verfügbaren Exportdateien im Textformat oder als Excel-Datei ist meist sehr einfach und schnell umzusetzen, benötigt oft nur wenige Arbeitsstunden.

Eine "richtige" Schnittstelle zur Datenverbindung zwischen Analysengerät und dem LIMS hingegen ist sehr viel aufwändiger in der Entwicklung, verschlingt gut und gerne 10 Mal so viele Arbeitsstunden oder sogar mehr. Dazu gibt es viele Fehlermöglichkeiten, entsprechend aufwändige Tests sind daher auch notwendig. Und last not least werden teure Analysengeräte ja nicht wie ein Laptop alle paar Jahre ersetzt, sondern sind oft Jahrzehnte im Einsatz und die älteren Geräte unterstützen meist gar keine geeignete Direktverbindung zum Laborinformationssystem. Es geht also einfach um die Kosten - wer es sich leisten kann, nur für die Schnittstelle ein gut funktionierendes, aber älteres Analysengerät zu entsorgen und ein funkelnagelneues Gerät um einen 6-stelligen Eurobetrag zu erwerben, wird dies vielleicht tun. Für die meisten Anwender stehen aber Kosten und Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis, daher wird die "altmodische" Dateischnittstelle wohl noch lange nicht ausgedient haben.

< Früherer Beitrag     Neuerer Beitrag >